Ausstellung 11.02. bis 09.06.24

Das Gewicht der Zeit

Werner Scholz. Menschenbilder 1927–37

Bis 9.6.24, Ernst Barlach Haus Jenischpark, Hamburg

Hamburg, Ernst Barlach Haus Jenischpark: Auf ungewöhnliche Weise verbindet die Ausstellung großstädtische Berliner mit dörflichen Tiroler Lebenswelten, und eigenwillig changiert sie dabei zwischen gemäßigtem Expressionismus und neusachlichem Realismus.

Ausdrucksstark und empathisch widmete sich Scholz Kleinbürger- oder Halbweltexistenzen und schaute auf die eher dunklen Seiten der Zwischenkriegsjahre: mittellose und Trauernde, Flüchtende und Zurückbleibende sind seine Protagonisten. Würdevolle Gestalten von eindringlicher Präsenz.

Dank seiner prägnant stilisierenden Kompositionen galt Scholz um 1930 als verheißungsvoller Newcomer: fortschrittliche Galerien zeigten seine Werke, namhafte Museen erwarben sie. 1937 durch die Nationalsozialisten als „entartet” verfemt, zog sich der Künstler 1939 nach Tirol zurück – eine Region, die er seit Kindertagen regelmäßig besuchte. 1944 zerstörte eine Bombe sein Berliner Atelier, und die darin versteckten Bilder wurden vernichtet.

So blieb das vor 1937 geschaffene Frühwerk von Werner Scholz zu weiten Teilen unbekannt – und als Hauptwerk unerkannt. Während Scholz’ nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstandenes Œuvre gut dokumentiert und publiziert wurde, ist seine Produktion der Jahre 1927-37 kaum greifbar. Neben den in öffentlichen und privaten Sammlungen erhaltenen Gemälden und Pastellen sind es im Nachlass des Künstlers überlieferte historische Werk- und Ausstellungsfotografien, die zumindest einen Eindruck davon vermitteln, warum Scholz um 1930 als ”wesentlich” gelten konnte – und auch heute gelten sollte.

Die Ausstellung möchte Scholz’ Berliner Jahren durch die Präsentation von rund 40 Gemälden und Pastellen, ergänzt um historische Werk- und Ausstellungfotografien aus dem Nachlass des Künstlers, erstmals klarere Konturen verleihen. So werden Facetten einer bemerkenswerten Malkunst sichtbar: auf ungewöhnliche Weise verbindet sie großstädtische Berliner mit dörflichen Tiroler Lebenswelten, und eigenwillig changiert sie dabei zwischen gemäßigtem Expressionismus und neusachlichem Realismus.

Ernst Barlach Haus Jenischpark ist bei:
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