Museum
Das Städtische Museum Rosenheim wurde bereits 1895 im historischen Mittertor eröffnet. Als öffentlich zugängliche Schatzkammer präsentiert es seine kulturgeschichtliche Sammlung wertvoller und teilweise einzigartiger Zeugnisse der Rosenheimer Geschichte. 23 realistisch inszenierte Schauräumen bieten interessante Einblicke in das Leben der Menschen in früheren Zeiten.
Vom Römergrab zum Nierentisch: der Rundgang durch die Rosenheimer Vergangenheit beginnt bei der Eroberung und Besiedelung durch die Römer und führt bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts.
Besucher erfahren hier viel Interessantes über die Geschichte der Stadt, nur eines nicht: woher kommt der Name „Rosenheim”? Erklärungen gibt es viele, aber keinen eindeutigen Beweis. Schloss und Ort werden erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1234 erwähnt, die verkehrsgeografisch ideale Lage spricht für eine zielgerichtete Gründung: hier kreuzen sich wichtige Fernhandelsrouten mit dem als Wasserstraße genutzten Inn.
Offen ist auch, warum Rosenheim erst am 15.9.1864 zur Stadt erhoben wurde, denn schon seit dem späten Mittelalter hatte der Markt Rosenheim viele stadtähnliche Funktionen und übertraf so manche Stadt an Bedeutung.
Der Keramikfund
Keramik ist sehr beständig, aber auch anfällig für mechanische Beanspruchung. Sie kann deshalb meist nur als „Scherben” geborgen werden. Der größte Teil des Rosenheimer Fundmaterials ist kein Porzellan, sondern Irdenware, also Fayence.
Küche um 1800
Der gemauerte Herd und die blumenbemalten Möbel und Türen bilden den komponierten Rahmen für die Ausstellung schöner Behältnisse und altertümlichen Küchengeräts. Mit der historischen Wirklichkeit hat die Inszenierung wenig zu tun, die romantische Sichtweise lässt den Raum vielmehr in doppelter Hinsicht museal erscheinen. Denn Küchenarbeit ohne fließendes Wasser und elektrischen Strom im Haus war mühsam und zeitraubend, Vorratshaltung ohne Kühlschrank aufwändig, Mäusefalle und Fliegenglas erinnern an hartnäckige Plagegeister.
Perthaler-Zimmer
Der Schrank von 1795 aus der Werkstatt von Anton Perthaler zählt zum Qualitätvollsten, was die Blütezeit der oberbayerischen Möbelmalerei hervorgebracht hat. Schrank und Truhe bargen Feiertagskleidung und den Familienschatz, Patengeschenke und Taufkerzen, Wachsstöcke, Gebetbücher und Miederzier, die Wände schmückten Hinterglasbilder mit religiösen Motiven. Die „Schöne Kammer” blieb unbewohnt und geachteten Gästen vorbehalten.
Zur Mitgift der Braut gehörte im 19. Jahrhundert die sogenannte „Fertigung”, ein Möbelensemble aus Ehebett, Truhe und Schrank. Die Jahreszahl der Eheschließung sowie die Initialen der Braut oder des Brautpaars wurden zur Erinnerung gut sichtbar auf der Möbelfront festgehalten, der Schrank zusammen mit Bett, Wiege und Spinnrad auf einem Kammerwagen in einem feierlichen Umzug den Leuten im Ort präsentiert.
Die Saline Rosenheim
Zwischen 1810 und 1958 wurde in Rosenheim durch Sieden von Sole in Feuerpfannen Salz gewonnen. Die Sole kam über eine 81 Kilometer lange Leitung aus Holzrohren (Deicheln) aus dem Salzbergwerk Berchtesgaden. Bis 1926 war die staatliche Saline Rosenheim der größte Salzproduzent in Bayern.
Kriege und Krisen
Rosenheims Aufschwung wurde 1914 jäh gebremst, es folgten ein Weltkrieg, eine Revolution, die Inflationsjahre, die Weltwirtschaftskrise und ein weiterer Weltkrieg. Das bedeutete Fronteinsatz, Bombenangriffe, Lebensmittelknappheit, Preissteigerungen, Lohnkürzungen, Arbeitslosigkeit und politische Radikalisierung. Ab 1933 schließlich beherrschte die NS-Diktatur alle Lebensbereiche.
Wohnungsnot
Eines der drängendsten Probleme im Rosenheim der Nachkriegszeit war neben Hunger und Kälte die Wohnungsnot, verschärft durch Tausende von Flüchtlingen. Notdürftige Abhilfe schufen 15 Barackenlager.
Zunft und Handwerk
Suchte ein fremder Handwerker im Markt Rosenheim Arbeit, so wandte er sich zunächst an die entsprechende Zunft. Durch „Zunftzwang” konnten die Zünfte Qualität und Preise der Waren sowie Ausbildung, Arbeitszeiten und Löhne regulieren. In Rosenheim ist die älteste bekannte Zunftvorschrift die der Schuhmacher aus dem Jahr 1460.
Mit Einführung der Gewerbefreiheit 1868 übernahmen ihre Aufgaben die Handwerks- sowie die Industrie- und Handelskammer.
Blau färben
„Blaudruck" ist eine der Möglichkeiten, Textilien farblich aufzuwerten. Es wird jedoch nicht blau gedruckt, sondern der mit dem Model auf den Stoff aufgetragene „Papp” verhindert, dass der Stoff an dieser Stelle Farbe aufnimmt. Die blaue Farbe ist Indigo, ein Naturfarbstoff, der erst nach dem Färben durch Oxidation von Gelb zu Blau umschlägt.
Sakrale Kunst
Die Marienverehrung genießt im katholischen Bayern einen besonders hohen Stellenwert. Einen besonderen Rang nimmt auch der HI. Sebastian ein.
Die sogenannten Kindsnöte, also Ängste und Sorgen um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, waren häufig Anlass für die Darbringung von wächsernen Säuglinge, die sog. Fatschnkinder (= Wickelkinder).
Regelmäßige Sonderausstellungen, ein umfangreiches museumspädagogisches Programm und ein gut sortierter Museumsladen runden das Angebot des Städtischen Museums ab.
Der Verfasser hat das Museum am 20.3.2022 besucht.
Museum, Rosenheim
Geschichte der Holztechnik. Maschinen und Geräte, Modelle, Holzprodukte.
Ausstellungshaus, Rosenheim
Alte Lokomotiven-Remise. Ausstellungen, die fundierte wissenschaftliche Basis mit aufwändiger, ästhetisch anspruchsvoller Gestaltung kombinieren.
Museum, Rosenheim
Kunst des Chiemgauer und Münchner Kunstkreises seit dem 19. Jahrhundert. Stiftungen Max Bram, Constantin Gerhardinger, Hans Müller-Schnuttenbach.
Museum, Rosenheim
Museum der Firma Klepper. Geschichte des zerlegbaren Boots, mit dem sogar Atlantiküberquerungen unternommen wurden, von den Anfängen zu Beginn des 20. Jh. bis heute.
Museum, Rosenheim
Geschichten und Bilder über den Fluss und seinen Wandel vom historischen Handelsweg zum Lieferanten regenerativer Energie aus Wasserkraft.
Bis 27.10.2024, Sachrang
Museum, Stephanskirchen
Geschichte von Stephanskirchen und Umgebung, früheres Leben zwischen Inn und Simssee von der Römerzeit bis in die Gegenwart.