Museum
Im Mittelpunkt des Museums stehen der außergewöhnliche Künstler ▸Ludwig van Beethoven und seine erstaunliche Musik.
Beethoven war 22 Jahre alt, als er 1792 seine Geburtsstadt Bonn verließ und nach Wien aufbrach, um Unterricht bei ▸Joseph Haydn zu nehmen. Aus der Reise wurde ein lebenslanger Aufenthalt in Wien.
Den Sommer 1802 verbrachte er in Heiligenstadt, das damals ein beliebter Kurort und mit dem „Zeiserlwagen“ in weniger als einer Kutschenstunde erreichbar war. Hier arbeitete er an seiner zweiten Symphonie und den frühen Klaviersonaten, hier hoffte er auf Heilung oder zumindest Besserung seines Gehörleidens. Mündliche, erst 1890 niedergeschriebene Überlieferungen berichten von einer Gartenwohnung im Bäckerhaus, erreichbar über eine Holztreppe vom Hof aus. Damit kann nach heutigem Stand der Bauforschung nur die rechte obere Gartenwohnung gemeint sein.
Ein schriftlicher Hinweis auf Beethovens Aufenthalt in Heiligenstadt findet sich im sogenannten „Heiligenstädter Testament” von 1802. In diesem nie abgeschickten Brief an seine Brüder drückte er seine Verzweiflung über seine fortschreitende Ertaubung aus.
1967 kaufte die Stadt Wien das gesamte Anwesen, und das Wien Museum richtete darin ein Museum ein. Dieses erstreckt sich auch auf Teile des Hauses, die nicht Teil der Beethoven-Wohnung waren.
Wie auch in vielen anderen Dörfern und Gegenden, die er für seine Sommeraufenthalte auswählte, unternahm Beethoven in Heiligenstadt ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen und wurde bisweilen auch beim Skizzieren von Noten gesehen. Viele Maler stellten später in ihren Bildern den durch Feld und Flur wandernden, in romantischer Landschaft Komponierenden dar.
Beethoven arbeitete hart und diszipliniert und offenbar immer und überall. Ein Werk durchlief bei ihm mehrere Stadien eines häufig sehr langen Entwicklungsprozesses.
Der Komponist besaß im Laufe seines Lebens Klaviere unterschiedlichster Hersteller. Am meisten schätzte er die Klaviere aus der Streicher’schen Werkstatt und war Andreas und Nanette Streicher, geborene Stein, beruflich wie auch freundschaftlich verbunden. Das ausgestellte Hammerklavier von 1821 besitzt fünf Pedale und einen metallenen Schallfänger, der dem Schwerhörigen das Musizieren erleichterte.
Beethovens selbstbewusstes Auftreten als Künstler, seine Akribie und die „Unerbittlichkeit”, an seinen Werken und deren Aufführung so zu feilen, bis sie seinen hohen Ansprüchen genügten, ließ ihn für viele Zeitgenossen überheblich oder gar ungehobelt erscheinen. Für Streichquartette setzte er neue Maßstäbe in Bezug auf technische Anforderungen, Ausdruck und daraus folgender Professionalisierung der Musiker.
Als Beethoven 1792 nach Wien kam, gab es noch keine Konzertsäle im heutigen Verständnis. Der alte Adel leistete sich kleinere Ensembles, Konzerte fanden in höfischer Tradition in den Palais statt – für geladene Gäste. Erst mit der Gründung der „Gesellschaft der Musikfreunde“ 1812 und der Eröffnung des neuen Musikvereinsgebäudes 1870 etablierte sich langsam das heute gängige Konzertwesen.
Bis heute wurde viel über Beethoven geforscht und dabei so manches Unbekannte entdeckt. Untersuchungen seiner Haarlocke ergaben zum Beispiel, dass er in den letzten 115 Tagen vor seinem Tod wiederholt sehr hohen Bleibelastungen ausgesetzt war: zuerst infolge einer Behandlung seiner Lungenentzündung mit Bleisalz, dann durch desinfizierende bleihaltige Pflaster auf die Punktierungswunden. Seine vom Alkoholkonsum vorbelastete Leber hielt dieser Bleiexposition nicht stand, er starb an Leberversagen.
Der Verfasser hat das Museum am 29.4.2026 besucht.
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