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19.7.2025
(modifiziert)
Deckenfresko zu „Neues Schloss und Hofgarten Schleißheim (Schloss)”, DE-85764 Schleissheim
Victoriensaal zu „Neues Schloss und Hofgarten Schleißheim (Schloss)”, DE-85764 Schleissheim
© Rainer Göttlinger
Lüsterdamen zu „Neues Schloss und Hofgarten Schleißheim (Schloss)”, DE-85764 Schleissheim
Paradeschlafzimmer zu „Neues Schloss und Hofgarten Schleißheim (Schloss)”, DE-85764 Schleissheim
Paradeschlafzimmer, Neues Schloss Schleißheim
© Bayerische Schlösserverwaltung
Fensternische zu „Neues Schloss und Hofgarten Schleißheim (Schloss)”, DE-85764 Schleissheim
Gobelinsaal zu „Neues Schloss und Hofgarten Schleißheim (Schloss)”, DE-85764 Schleissheim
Stuckelement der Prunktreppe zu „Neues Schloss und Hofgarten Schleißheim (Schloss)”, DE-85764 Schleissheim
Türkenkopf im Treppenhaus von Schloss Schleißheim
© Rainer Göttlinger
 zu „Neues Schloss und Hofgarten Schleißheim (Schloss)”, DE-85764 Schleissheim
Foto: "GuidoR"

Schloss

Neues Schloss und Hofgarten Schleißheim

Max-Emanuel-Platz 1
DE-85764 Schleissheim
April bis Sept:
Di-So 9-18 Uhr
Okt bis März:
Di-So 10-16 Uhr

In Anlehnung an die Größe der Schlösser in Wien und Versailles und im Hinblick auf die erhoffte Kaiserwürde hatte Kurfürst Max Emanuel das Neue Schloss 1701 in als zukünftige Residenz errichten lassen.

Der Kurfürst plante eine neue Residenz in riesigen Dimensionen. Seine Niederlage im Spanischen Erbfolgekrieg 1704 und das anschließende Exil (bis 1715) erzwangen jedoch eine Anderung des Konzepts: nur der Haupttrakt der ursprünglich mehrflügelig geplanten Anlage wurde ab 1719 unter der Leitung von Joseph Effner vollendet. Gleichwohl entstand hier eines der schönsten Barockschlösser. Ursprünglich mehrflügelig geplant, wurde allerdings nur der Hauptflügel erbaut.

Der Bau wurde in den Jahren 1701 bis 1704 nach Entwürfen von Enrico Zuccalli begonnen und nach mehrjahriger Unterbrechung 1719-26 unter Joseph Effner weitgehend vollendet. Mit der prunkvollen Ausstattung waren so berühmte Künstler wie Johann Baptist Zimmermann, Cosmas Damian Asam und Jacopo Amigoni betraut. Jedoch wurde die Residenz, nachdem die Kaiserwürde nicht an Max Emanuel gefallen war, dann doch nicht von München nach Schleißheim verlegt.

Baukünstlerisch bedeutendster Raum ist das von Henrico Zuccalli entworfene Treppenhaus. Das inhaltliche Programm dieser Prunktreppe spielt auf den Waffenruhm Max Emanuels in den Türkenkriegen an, veranschaulicht durch die Stuckdekoration von Johann Baptist Zimmermann mit Türkenköpfen und Waffentrophäen. Das Kuppelfresko von Cosmas Damian Asam (1721) zeigt „Venus in der Schmiede des Vulkans”. Die Göttin begutachtet die Waffen für ihren Sohn Aeneas. Der junge Mann in antiker Rüstung trägt unverkennbar die Züge Max Emanuels: der Kurfürst wird gleichsam zum mythischen Helden Aeneas. Treppenhaus, Großer Saal und Viktoriensaal verherrlichen als thematische Einheit den Auftraggeber.

Die repräsentative Eingangshalle, das Vestibül, bildet den Auftakt zum Corps de logis („Wohntrakt”) des Kurfürsten. Toskanische Säulen aus Tegernseer Marmor gliedern den Saal in drei Schiffe. Nikolaus Gottfried Stuber malte die flach gewölbten Kuppeln in illusionistischer Weise aus.

Das Audienzzimmer zieren Behänge aus der Serie mit Feldzugsszenen. Im Deckenfresko „Odysseus entdeckt Achill unter den Töchtern des Lycomedes” zeigt sich die List als Tugend des Feldherrn: der als Händler auftretende Odysseus überführt den in Mädchenkleidern unter den Töchtern versteckten Achill, als dieser von den angebotenen Waren das Schwert ergreift, während die Frauen den Schmuck wählen. Der Kaminaufsatz entstand in der Epoche des Rokoko.

Der Festsaal ist eine Meisterleistung des Hofarchitekten Joseph Effner, der 1719 die Bauleitung übernahm. Die vollendete Stuckdekoration war der erste höfische Auftrag des bayerischen Künstlers Johann Baptist Zimmermann. Der Venezianer Jacopo Amigoni schuf 1722 das seinerzeit weltgrößte Deckenbild mit dem „Zweikampf des Aeneas und Turnus um die Hand der Königstochter Lavinia”. Neu und zukunftsweisend für die süddeutsche Deckenmalerei war die umlaufende Landschaft als Schauplatz des Geschehens, die anstelle eines reinen Götterhimmels trat. Die beiden großen Schlachtenbilder zeigen bedeutende Siege Max Emanuels.

Die Ausgestaltung des Speisesaals erfolgte unter Kurfürst Max III. Joseph zwischen 1771 und 1774. Stilistisch steht sie am Übergang vom Rokoko zum Klassizismus. Das Deckenfresko der „Landung des Odysseus bei der Nymphe Kalypso” schuf Thomas Christian Wink 1773. Das Festmahl, das Kalypso dem gestrandeten Helden bereitet, spielt auf die Funktion des Saals als Speisesaal an. Die Stuckreliefs der Deckenkehle zeigen die zwölf Monate und die Tierkreiszeichen. Mit den Reiterbildnissen der bayerischen Herrscher setzte Max III. Joseph der altbayerischen Linie der Wittelsbacher ein Denkmal.

Das Paradeschlafzimmer des Kurfürsten Max Emanuel ist der zeremoniell und künstlerisch bedeutendste Raum des Appartements. Obeliskenmotive seitlich der Balustrade verweisen auf dessen Ruhm. Die üppig geschnitzte Balustrade mit den bayerischen Löwen gliedert den Raum in Bettalkoven und Vorraum. Mehrere Tapetentüren im Alkoven führten zu Garderobe, Retirade (Toilette) und den Oratorien der Maximilianskapelle. Das spätbarocke Imperialbett Max Emanuels von 1722/25 ist nahezu vollständig erhalten.

Im Schlafzimmer der Kurfürstin scheidet eine Balustrade den Vorraum vom Bettalkoven. Geschnitzte Pilaster und ein Stuckband an der Decke unterstreichen diese funktionale Trennung in den Bereich der Kurfürstin und die Zone des Hofstaates. Vom Imperialbett der Kurprinzessin und späteren Kurfürstin Maria Amalia, die seit 1722 mit Max Emanuels Sohn Karl Albrecht vermählt war, sind nur mehr der Baldachin und die Rückwand aus gelbem Seidendamast erhalten. Originaler Bestand sind auch die Bekrönungen des Bettes mit Pfauenfederbüschen und die reich gestickten Silberborten. Amigonis Deckenbild zeigt Ceres, die Göttin des Ackerbaus, der Fruchtbarkeit und der Ehe. Gemeinsam mit dem Sonnengott Apoll im Pferdewagen versinnbildlicht sie hier den Sommer. Die Groteskenmalerei im Alkoven schuf Johann Paul Waxschlunger.

Besonders erlesen ausgestattet ist das intime Kabinett, in welchem d die Jagd thematisiert wird - in der Barockzeit Ausdruck der herrscherlichen Magnifizenz. Das Deckenfresko von Nikolaus Gottfried Stuber verwebt Chinesen als Falkner, Hirschen und Figuren mit Jagdhunden in eine farbenfrohe Ornamentgroteske. Die sieben gewirkten Wandbehänge wurden in der von Max Emanuel gegründeten Zweiten Münchner Gobelinmanufaktur gefertigt. Mit drolligen Tierdarstellungen und Chinoiserien führen sie das Thema der Deckenmalerei fort.

Die Wände der kleinen intimen Kammerkapelle sind mit intarsierten Stuckmarmortafeln verkleidet, den sogenannten Scagliola-Platten. Die elegante Stuckdekoration des Plafonds im Régence-Stil mit den reizvollen Tugenden schuf Johann Bapist Zimmermann, Nikolaus Gottfried Stuber malte 1726 die „Dreifaltigkeit” in der Laterne. Das Altarbild der „Himmelfahrt Maria” entstand im Atelier von Peter Paul Rubens und gehört zur ursprünglichen Ausstattung der Kapelle. Den reich eingelegten Betstuhl schuf der Pfälzer Hofschreiner Jacob Kieser für Kurfürst Karl Theodor.

Ausgestaltet wurden die Festsäle und Staatsappartements mit Deckenfresken von Cosmas Damian Asam, Jacopo Amigoni und Thomas Christian Wink sowie mit geschnitzten und stuckierten Innendekorationen von Johann Baptist Zimmermann und Francois Cuvillis.

Als Gartensaal mit Mittelportal und Bogenfenstern leitet die Sala terrena zum Großen Parterre des Barockgartens über. Die Motive ihrer Dekoration entstammen der Welt des Parks. Nikolaus Gottfried Stuber schuf 1725 die Deckenmalerei in Grisailletechnik. Den Sonnengott Apoll im Zentrum des Tonnengewölbes flankieren Medaillons mit Allegorien der vier Jahreszeiten. Von Nord nach Süd verkörpern Saturn den Winter, Ceres den Sommer, Flora den Frühling und Bacchus den Herbst. Die virtuosen Stuckaturen schuf Giuseppe Volpini ebenfalls 1725. Über den Nischen, die Brunnen aufnehmen sollten, erscheinen Seemotive wie Muscheln, Korallen und Schilf, auf den Giebeln lagern Putti. Tonreliefs mit Meeresszenen bilden die Supraporten. Die Scheitel der Arkadenbögen schmücken porträthafte Frauenköpfe.

Nach der Rückkehr aus dem französischen Exil beauftragte Kurfürst Max Emanuel den französischen Gartenkünstler Dominique Girard mit der Gestaltung des Gartenparterres und mit der Modernisierung des Bosketts. Der nach den Prinzipien der französischen Gartenkunst angelegte Schlosspark mit Seitenkanälen und Lindenalleen zählt trotz verschiedener Eingriffe im 19. Jahrhundert heute zu den wenigen in ihrer Grundkonzeption nahezu unverändert erhaltenen barocken Parkanlagen in Deutschland. Sein Obstgarten beherbergt viele Sorten, die heute vom Aussterben bedroht sind. Bestimmte Sorten können sogar bis in die Zeit des Kurfürsten zurückverfolgt werden.

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