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5.5.2024
(modifiziert)
Hof zu „Allgäuer Bergbauernmuseum (Museum)”, DE-87509 Immenstadt
Kräuterweiberl zu „Allgäuer Bergbauernmuseum (Museum)”, DE-87509 Immenstadt
Hütebub zu „Allgäuer Bergbauernmuseum (Museum)”, DE-87509 Immenstadt
 zu „Allgäuer Bergbauernmuseum (Museum)”, DE-87509 Immenstadt
Zeitreise im Sattler-Hof
Foto: Andreas Baar
 zu „Allgäuer Bergbauernmuseum (Museum)”, DE-87509 Immenstadt
Kühe im Museum
Foto: Andreas Baar
Heuschober zu „Allgäuer Bergbauernmuseum (Museum)”, DE-87509 Immenstadt
Schafe zu „Allgäuer Bergbauernmuseum (Museum)”, DE-87509 Immenstadt
Schaubild Alpfahrt zu „Allgäuer Bergbauernmuseum (Museum)”, DE-87509 Immenstadt

Museum

Allgäuer Bergbauernmuseum

Palmsonntag – Ende Herbstferien:
tägl. 10-18 Uhr

Das höchstgelegene Freilichtmuseum Deutschlands ist mit seinen 16 historischen Bauernhäusern und den hier lebenden Nutztieren ein lebendiges Museum für die ganze Familie: es gibt Hühner, Gänse, Fische, Bienen, Schweine und Allgäuer Braunvieh. Die Kinder dürfen die Ziegen und den Esel streicheln oder sich im Spielwäldle oder im Heustock austoben und im Sattler-Hof im Ambiente der 1920er Jahre übernachen. Für wißbegierige Besucher werden Kurse zum Buttern, Filzen, Imkern oder zu den Kräutern angeboten. Die Museumsgaststätte Fischerhaus verfügt über einen schönen Biergarten, und die historische Höfle-Alpe lockt mit würziger Brotzeit und herrlicher Aussicht.

Bergbauern

Viele Menschen verbringen heute ihre Ferien im Oberallgäu und lernen dabei auch die heimische Landwirtschaft, die für ihre saftigen Wiesen und ihre Milchkühe bekannt ist, näher kennen. Die Bauern arbeiten hier unter besonders schwierigen Bedingungen, denn ungefähr 90 Prozent der Agrarflächen sind als Berggebiet ausgewiesen: was auf über 1.150 Meter Höhe liegt, kann nur im Sommerhalbjahr bewirtschaftet werden. Der Wirtschaftsraum des Bergbauern ist daher stufenartig angeordnet. Steile Hanglagen, karge Böden sowie lange und kalte Winter machen ihm das Leben schwer, und seine Arbeit bringt trotz staatlicher Förderung wenig Ertrag.

Das Allgäuer Bergbauernmuseum zeichnet diese von den Menschen gestaltete Kulturlandschaft nach und stellt die Kuh als eines der wichtigstes Nutztiere des Menschen vor.

Häuser aus Holz

Noch bis vor 100 Jahren ließen die Allgäuer Bauern ihre Häuser aus Holz errichten, denn der Rohstoff wuchs in so großer Menge vor der Haustüre, dass sie am Material nicht zu sparen brauchten. Holzhäuser sind im oberen Allgäu jedoch selten geworden und stehen meist unter Denkmalschutz.

Die äußere Schlichtheit des Allgäuer Hauses kontrastiert mit kunstvoll bemalten Möbeln im Inneren, besonders in der Stube, dem einzigen beheizbaren Raum im Haus. Die zentrale Feuerstelle befand sich im Hausgang, dem sogenannten Hus. Der Herd stand an der Längswand zur Stubenseite. Das elektrische Licht erreichte die Bergbauerndörfer etwa nach dem Ersten Weltkrieg, auf fließendes Leitungswasser mussten sie noch bis in die 1950er Jahre warten.

Sattler-Hof

Der unter Denkmalschutz stehende Bergbauernhof aus Schöllang bei Oberstdorf, ein typisches Allgäuer Bauernhaus mit Wohn- und Wirtschaftsräumen unter einem Dach, wurde Stück für Stück ab- und im Museum wieder aufgebaut. Im Gaden, dem Schlafzimmer der Eltern und des Säuglings, spielte sich der gesamte Kreislauf des Lebens ab: Kinder wurden hier zur Welt gebracht, kranke Menschen starben in ihren Betten. Das Haus verfügt zudem über eine Werkstatt, deren meiste Werkzeuge auch heute noch voll funktionsfähig und einsetzbar sind. Einmal jährlich, im November oder Dezember, schlachtete die Bauernfamilie ein Schwein.

Bauerngarten und Streuobstwiese

Im Bauerngarten gedeihen eine Vielzahl unterschiedlicher Gemüse, Heilkräuter und Blumen, und viele Menschen erfreuen sich an der Farbenpracht und Pflanzenfülle. Bereits Griechen und Römer verstanden sich auf das Veredeln von wildem Obst, in ihren Klostergärten verfeinerten Mönche und Nonnen diese Kunst.

Flachsspinnen

Das Spinnen von Flachs war für die Landbevölkerung ein wichtiger Zusatzverdienst. Gesponnen wurde auch für den Eigenbedarf, meist mit der Handspindel oder dem Spinnrad. Im Winter kam man in der „Kunkelstube” zum gemeinsamen Spinnen zusammen.

Im Winter ins Holz

Dem Bergwald entnahm der Bauer seinen Bedarf an Bau- und Brennholz. Forstordnungen der Landesherren trachteten zugleich den Raubbau durch die Untertanen zu verhindern, denn eine dichte Bewaldung der Höhenlagen verhindert die Bodenerosion, bewahrt die Siedlungen vor Lawinen und Muren und bannt zudem die Hochwassergefahr.

Landwirtschaft und Nutztiere

Das Allgäu ist seit den 1950er Jahren vorwiegend ein Gras- und Weideland. Der große Heustock in der Nähe des Stalls bildete den Futtervorrat für den Winter. Solange die Bergbauern noch Pferde im Einsatz hatten, bauten sie auch Hafer an. Rinder werden als Arbeitstiere heute kaum noch eingesetzt.

Einst gehörten zu jedem Allgäuer Bauernhof frei laufende Hühner. Ihre Haltung war Sache der Bäuerin, die durch den Eierverkauf einen kleinen Zuverdienst hatte: Hühner legen bis zu 190 Eier im Jahr. Und der Hahn war mit seinem morgendlichen Weckruf auf dem Lande ein wichtiger Zeitmesser.

Bergschafe stehen auf harten Klauen, sind trittsicher und kommen auch in regenreichen Gegenden gut zurecht. Deshalb sind sie für die Haltung im Gebirge besonders gut geeignet. Sie gebären pro Jahr ein bis zwei Lämmer.

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts besaß jeder Bauer einige Bienenkörbe zur Selbstversorgung mit Honig, denn Zucker war teuer und Honig ein natürliches Süßungsmittel, das die Natur gratis lieferte.

Wichtigstes Nutztier des Menschen ist aber die Kuh. Im katholischen Allgäu bezog die Bevölkerung die Rinder sogar in ihren religiösen Tages- und Jahreslauf ein, und ihre Hörner waren einst der Stolz der Bauern. Vielen Allgäuer Kühen werden sie jedoch, damit sie sich bei Rangstreitigkeiten nicht verletzen, heute bereits im Kalbsalter entfernt.

Hütebuben

Viele Knaben verdingten sich ab dem 6. Lebensjahr bei Allgäuer Bauern als Hütebuben: jeder fünfte Älpler im oberen Allgäu war ein Kind. Ihr Lohn war bescheiden und beschränkte sich auf freie Kost und Logis, ein paar Kleidungsstücke und ein kleines Taschengeld. Schuhe besaßen nur die wenigsten: ihre Füße konnten sie bei großer Kälte nur in einem frischen Kuhfladen wärmen.

Milchwirtschaft

Kuhmilch setzt sich aus vielen Bestandteilen zusammen und ist außerdem sehr vitaminreich. Ein Kuheuter kann mehr als 20 Liter Milch fassen. Gewöhnlich werden die Kühe morgens und abends gemolken. Das Melken mit der Hand ist körperlich anstrengend und erfordert viel Zeit, aber erst um 1960 besaßen die meisten Bauernhöfe Melkmaschinen.

Ein Ziel der Rinderzucht ist, die Milchleistung der Kühe zu steigern. Derzeit erzeugt eine Kuh in Deutschland rund 6.000 Kilogramm Milch im Jahr. Vor 50 Jahren gab sie lediglich ein Drittel dieser Menge. Die von Milchkühen bevorzugte Nahrung besteht aus jungen Gräsern, Klee und Kräutern, wovon sie im Sommer täglich 80 bis 100 Kilogramm fressen und im Winter 15 Kilogramm Heu.

Bergwiesen

Im Frühling sind die saftigen Allgäuer Bergwiesen gelb gesprenkelt vom Löwenzahn. Die Kühe mögen ihn und geben viel Milch. Die meisten dieser Weideflächen sind erst im Mittelalter durch Rodung geschaffen worden und ließen jene abwechslungsreiche Berglandschaft aus Wäldern und Wiesen entstehen, die das obere Allgäu heute für den Tourismus so attraktiv macht.

Milchkühe hinterlassen durch ihr Gewicht von bis zu 600 Kilogramm in der Landschaft ihre Spuren. Die treppenartigen Abstufungen der Hänge ermöglichen es anspruchslosen Pionierpflanzen, in der sonst geschlossenen Grasnarbe wieder Fuß zu fassen.

Höfle-Alpe

Die Sennalpe für über 100 Kühe wurde 1872 bei Oberstdorf auf 1.330 Metern Höhe errichtet, für den Aufstieg vom Tal benötigte man zu Fuß drei Stunden. Im Gebäude befinden sich die Sennküche, der Käsekeller, zwei Kammern und der ehemalige Stall, der heute eine Ausstellung über die Alpwirtschaft und eine Brotzeitstube beherbergt.

Am Tag der sog. Alpfahrt mussten Hirte, Hirtenbub und Senn nicht nur die gesamte Herde auf die Alpe hochtreiben, sondern auch gleichzeitig alle Gerätschaften mitnehmen. Während des Alpsommers wurden dann regelmäßig Waren wie Butter und Käse ins Tal geliefert. Gut organisiert war auch der Nachschub mit frischem Brot. Der herbstliche Alpabtrieb und die Viehscheid entwickelten sich nach dem Ersten Weltkrieg zu einer touristischen Attraktion.

Auf Sennalpen werden meist auch Schweine gehalten. Die Museumsschweine, eine Landrasse mit kräftigem Körper, weißer Haut und mittelgroßen Schlappohren, wachsen schnell und lassen sich darum gut mästen, und ihr Fleisch ist äußerst schmackhaft.

Das Kreuz am Weg

Die Formen von Feldkreuzen sind vielgestaltig. Als Orte stiller Einkehr und des Gebets luden sie zu kurzem Verweilen ein. Das im Museum aufgestellte Kreuz aus dem Jahre 1841 hat zum Schutz einen rautenförmigen Wetterschirm, und seine gusseisernen Figuren sind farbenfroh bemalt.

Der Verfasser hat das Museum am 5. Oktober 2022 besucht.

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