Ausstellung 11.11.22 bis 12.03.23

Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz

Pompeji und Herculaneum

Leben und Sterben unter dem Vulkan

Chemnitz, Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz: Die Ausstellung zeigt das süße Leben in Pompeji und Herculaneum zu Beginn der römischen Kaiserzeit, aber auch deren Zerstörung durch eine Naturkatastrophe. Bis 12.3.23

Schon Goethe vermerkte in seinem Reisebericht, als er im Jahr 1787 einen Ausflug zu den Ausgrabungsstätten von Pompeji unternahm: „Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das der Nachwelt so viel Freude gemacht hätte”.

Gezeigt wird das süße Leben – la dolce vita – in Pompeji und Herculaneum zu Beginn der römischen Kaiserzeit, aber auch deren Zerstörung durch eine Naturkatastrophe: den Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 nach Christus.

Allerdings fasst die Ausstellung das Thema weiter. So widmet sich der erste von drei Bereichen dem Golf von Neapel als blühendem Handelszentrum in der antiken Welt. Im letzten Bereich wiederum, der den Ausbruch des Vesuvs thematisiert, wird ein Schwerpunkt auf die Rettungsaktion durch den Kommandanten der misenischen Flotte, Plinius dem Alteren, gelegt: schließlich handelt es sich hierbei um den ersten dokumentieren militärischen Kata­strophen­einsatz zum Schutz von Zivi­listen.

Funde aus dem Hafenbecken von Neapel zeugen von einem der blühendsten Handelszentren der antiken Welt. Dies belegen auch die marmornen Kopien griechischer Bronzestatuen aus den Werkstätten in Puteoli, dem heutigen Pozzuli: der Markt für derlei Luxusgüter war in dieser Region definitiv vorhanden und der Bedarf enorm.

Unter ihrem Kommandanten Plinius dem Älteren segelte die misenische Flotte kurz nach Ausbruch des Vesuvs von ihrem Stützpunkt los, um Menschen aus Pompeji zu retten. Dieser erste in der Geschichte dokumentierte militärische Katastropheneinsatz zum Schutz von Zivilisten, überliefert von seinem Neffen Plinius d. Jüngeren, wird erstmals in Deutschland in einer Ausstellung be­leuch­tet.

Die Schau zeigt einige der berühmten Gipsabgüsse der Menschen im Augenblick ihres Todes. Schmuck und Tafelgeschirr, im letzten Moment versteckt, lassen die Hoffnung der Bewohner sichtbar werden, nach der dramatischen Rettungsaktion in ihr Zuhause zurückkehren zu können. Brote, Früchte, Holzmöbel und Wandmalereien haben sich nirgends sonst in dieser Qualität er­halten.

(1) Speiseraum

In den Speiseräumen (triclinia) waren meist drei Liegen (Klinen) hufeisenförmig angeordnet. Auf ihnen aß und trank man liegend. Kleine runde Beistelltische ergänzten die Anordnung. Geschirr war je nach Anlass aus edlem Metall oder einfacher Keramik. Malereien, Mosaiken und Skulpturen schmückten die Räume. In reichen Häusern gab es eigene Badeanlagen und Latrinen.

(2) Garküche

Mittags gab es leichte Mahlzeiten vom Schnellimbiss. An einem bemalten Tresen mit eingelassenen Terra Cotta-Behältern boten Garküchen verschiedene Fleischsorten, Hülsenfrüchten, aber auch Getränke an. Garküchen wurden eher von der arbeitenden Bevölkerung besucht. Besser gestellte Personen hatten Küchen in ihren Stadtvillen und Bedienstete, die die Mahlzeiten zu­be­rei­te­ten.

(3) Bacchus-Statue

Bacchus, der Gott des Weines und der Vegetation, gehörte zu den beliebtesten Statuenmotiven in römischen Gärten, nicht nur in Pompeji. Er ist als junger Mann und nackt dargestellt. Gut erkennbar ist der Gott an seinen Attributen: Er wird begleitet von seinem Lieblingstier, dem Panther, hält sein Zepter (Thyrsosstab) und einen Weinbecher in den Händen. Um seinen Kopf sind Wein­ranken ge­wunden.

(4) Wandgemälde

Die Wandmalerei (Fresko) vermittelt anschaulich, wie die Häfen am Golf von Neapel ausgesehen haben. Sie besaßen außen Arkaden, Geschäfte und waren dekoriert mit Statuen. Solche Darstellungen schmückten Wände und Wandelhallen pompejanischer Häuser. In den hiesigen Häfen wurden Waren wie Weihrauch, Düfte, Edelsteine und Seide, aber auch Gewürze, exotische Früchte, Ebenholz und Salben ge­han­delt.

(5) Abgüsse von Opfern

Besonders berührend sind die Abgüsse der Flüchtenden. Im sogenannten Garten der Flüchtenden sind insgesamt 13 Opfer gefunden worden. Sie waren in Richtung der südlichen Stadtmauer unterwegs. Andere hatten es bereits bis zur Porta Nocera, einem der Stadttore Pompejis ge­schafft.

Weitere Exponate

Zu den besonderen Schaustücken der Ausstellung gehören unter anderem auch ein verkohlter Brotlaib von 79 n. Chr., der sich zusammen mit weiteren Broten im Ofen einer Backstube in Herculaneum befand, das Modell eines im Original 14 Meter langen Transportschiffes aus dem Hafenbecken des antiken Neapel, einen goldenen Armreif in Form einer Schlange, gefunden in unmittelbarer Nähe der Verstorbenen, die bronzene Statuette eines nackten Mannes mit Tablett, eine wertvolle Weinkaraffe in Form eines Frauenkopfes, eine Öllampe aus Terrakotta mit erotischer Szene, einen Spiegel aus Silber sowie ins Meer geworfene Gegenstände, die die Herkunft der Schiffe und die Arbeit im Hafen doku­men­tieren.

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